Zukunftsweisendes deutsch-finnisches Führungsseminar am Bodensee und in Osterburken

Das 20. Jubiläum der deutsch-finnischen Kooperation war der Anlass für ein gemeinsames Führungstreffen am Bodensee und in Osterburken. Im Mittelpunkt des viertägigen Austauschs stand ein Blick auf die „Sieben Salemer Gesetze“ des DofE-Erfinders Kurt Hahn vor dem Hintergrund gegenwärtiger Herausforderungen für junge Menschen.

OSTERBURKEN, 31. Mai 2018 – Aus Anlass des 20. Jubiläums der deutsch-finnischen DofE-Kooperation richtete der Trägerverein in Zusammenarbeit mit der Schule Schloss Salem ein viertägiges Führungstreffen am Bodensee und in Osterburken aus. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Blick auf die „Sieben Salemer Gesetze“ des DofE-Erfinders Kurt Hahns von 1930 vor dem Hintergrund gegenwärtiger Herausforderungen für junge Menschen. Wichtigste Aspekte waren dabei die Bereiche Klimawandel und Umweltzerstörung, digitale Transformation und „fake news“ sowie Europaskepsis und Populismus. Als Referenz für alle Diskussionen diente das EFQM-Exzellenzmodell, das der Trägerverein als erste Nationalagentur des Programms 2009 eingeführt hatte und inzwischen auch in der deutschen Programmarbeit vor Ort als Qualitätskompass dient.

 

Teilnehmer

Die Leitung des Workshops lag beim Vorsitzenden des Trägervereins, Klaus Vogel. Wie Olli Saarela (Ehrenvorsitzender des finnischen Programms und ehemaliger Referatsleiter Jugend im Bildungsministerium) und Maija-Sisko Kauppila (neue Vorsitzende und Dozentin an der Universität Mikkeli) von der finnischen Seite sowie Rainer Schmid (stellvertretender Vorsitzender) von der deutschen war Vogel bereits Teilnehmer des ersten Treffens 1998, in dessen Anschluss das Programm in Finnland eingeführt worden war. Von der finnischen Spitze waren außerdem die Mikko Varesmaa (Stiftungsleiter) und Jukka Ruotsalainen (Programmkoordinator) beteiligt, vom Vorstand des Trägervereins Vanessa Masing und Barbara E. Oehl. Mit den Gold-Absolventinnen Wencke Klütz und Vivian Lohse aus Elmshorn und dem Konrektor der Realschule Osterburken, Tobias Majer, waren auch zwei Anbieter vertreten, die entscheidend zum Gelingen der damaligen Pilotmaßnahme beigetragen hatten. Auch der Osterburkener Bürgermeister Jürgen Galm machte dem Treffen seine Aufwartung.

 

Programm

Im ersten Seminarteil ging es „back to the roots“ an die Schule Schloss Salem, wo Kurt Hahn von 1920 bis 1933 als Schulleiter wirkte und Prinz Philip, der das Programm 1956 in Großbritannien basierend auf Hahns Ideen ins Leben rief, für kurze Zeit sein Schüler war. Nach der Ankunft in Überlingen ging es beim Mittagessen und auf einer Seerundfahrt vor allem um die Salemer Gesetze und deren Beziehung und Relevanz für Programm, Programmarbeit und Programmentwicklung. Beim Passieren der Mainau erläuterte Vogel, dass Hahn auf der Insel das Programm bereits 1956 auf der Internationalen Erziehertagung des Deutschen Jugendrotkreuzes vorgestellt hatte. Anschließend ging es zum Abendessen und dem Austausch mit dem DofE-Team sowie über 30 neuen Gold-Teilnehmern auf den Campus Härlen der Schule Schloss Salem. Mit einer beeindruckenden Führung von vier Silber-Teilnehmern durch deren Salemer Urteil endete am nächsten Vormittag das Besuchsprogramm am Internat, an dem insbesondere die immer noch deutlich erkennbaren Salemer Gesetze, der Status von Schülerparlament und Schülervertretung, das Dienste-Konzept und das in das Internatsleben integrierte Mentoring der Teilnehmer überzeugten.

Der zweite Seminarteil in Osterburken widmete sich zunächst der Diskussion der Salemer Gesetze, jetzt zusätzlich illustriert durch die vor Ort gewonnen Eindrücke. Wichtigste Erkenntnis war, dass die Begleitung der Programmteilnahme von der Zielformulierung über die Gruppentreffen bis zur Schlussreflexion in der Programmarbeit bei weitem noch nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält und das Thema deshalb in Publikationen und Lehrgängen besser dargestellt und vermittelt werden sollte. In Bezug auf „Programm und Umwelt“ stellte Deutschland eine erste Arbeitshilfe vor, die für Bildung und Erziehung kontraproduktiven Aspektesozialer Medien wurden anhand Gunter Duecks neuem Buch „Flachsinn“ thematisiert. Weitere Themen waren Hintergrund und Auswirkungen des Brexits, die Sicherstellung der Regeltreue in Bezug auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und speziell das elektronische Begleitheft sowie die unterschiedlichen Entwicklungsherausforderungen und -schwerpunkte in beiden Ländern. Nicht fehlen durfte ein Besuch im Neubau der Realschule, der Wiegestätte des deutschen Programms. Den Abschluss bildete eine Live-Präsentation zu wichtiger Literatur zu den behandelten Fragen, darunter das brandneue „Handbuch Erlebnispädagogik“ mit einem Beitrag zum DofE.

 

Ergebnisse

Wichtigstes Ergebnis der Tagung war nach einhelliger Meinung der Teilnehmer ein vertieftes Verständnis des Programms und seines Mottos „Du kannst mehr als du glaubst!“ sowie seiner Modernität angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen in Umwelt und Gesellschaft. Vereinbart wurde eine praktische Kooperation in der Arbeit mit Benachteiligen und Flüchtlingen, eine Initiative zu engerer Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsländer, in denen das Programm auf nationaler Ebene existiert, mit einem Austausch zu den Erfahrungen mit der DSGVO-Umsetzung als Ausgangspunkt (aus Anlass des 25. Vereinsjubiläums soll die erste Maßnahme hierzu im Juni 2019 in Deutschland stattfinden). „Mein Dank gilt allen Teilnehmern und Unterstützern dieses ausgezeichneten Seminars, insbesondere der Schule Schloss Salem, die innerhalb eines Jahres nun schon die dritte internationale Abordnung empfing und natürlich den Gästen aus Finnland, die uns in den vergangenen 20 Jahren auch persönlich ans Herz gewachsen sind“, so Vogel abschließend.